Leseprobe

bei amazon.de bestellen...6.1 Eine virtuelle Reise nach Troja

Über 3000 Jahre in der Vergangenheit – Troja ist eine der wichtigsten Handelsstädte der Bronzezeit, denn sie liegt am Eingang des Hellespont, jener Meeresenge, die das Ägäische Meer mit dem Marmarameer verbindet. Und sind die Winde unvorteilhaft, muss jedes Schiff, das vom Mittelmeer zum schwarzen Meer segeln will, in den windstillen Hafen einlaufen, der etwa fünf Kilometer vor der Stadt in einer natürlichen Meeresbucht liegt, und auf günstigeres Wetter warten. Oft weht auch eine steife Brise vom Meer her über die flache Ebene und viele Handelsschiffe steuern den schützenden Hafen an und bringen Troja Gold und andere Reichtümer.
Der Hafen ist für die Händler der damaligen Zeit schon ein atemberaubender Anblick. Große hölzerne Frachtschiffe aus aller Welt schaukeln im Hafenbecken. Da liegen mykenische Fischerkähne neben ägyptischen mit Kupfererzen beladenen Segelschiffe. Persische Schmiede versuchen lautstark assyrischen Söldnern ihren Schmuck anzudrehen. Der Duft von Fisch und Gewürzen liegt in der salzigen Luft. Der Hafen ist ein schwimmender Handelsplatz und Treffpunkt der Kulturen.
Eine breite Straße, auf der unzählige Wagen und Karren rollen, führt durch die Skamanderebene vom Hafenbecken ins Landesinnere. Die Straße schlängelt sich zwischen Äckern und wilden Blumenwiesen in Richtung Troja, der legendären Stadt des Fürsten Priamos. Auf den Wiesen beaufsichtigen Hirten große Ziegenherden und ein Bauer treibt seinen alten Esel an, der vor einen vierrädrigen Karren mit Mehlsäcken gespannt ist. Am Straßenrand wachsen Feigenbäume und an den Ufern des Skamander einige Kilometer westlich der Straße kann man sogar Ulmen und Weiden erkennen. Weit entfernt am Horizont erheben sich die bewaldeten Hänge des Berges Ida, von dem man sich erzählt, dass dort die Götter wandeln sollen.
Nach etwas mehr als einer Stunde erreicht man die Ausläufer der sagenhaften Stadt am Hügel Hissarlik, auf dem stolz die prächtige Burg des Priamos thront. Die Unterstadt ist von einer  schützenden, hellen Steinmauer umgeben, vor der ein drei Meter breiter Graben in den Kalkfelsen gehauen wurde. Vor der Mauer haben sich einige Frauen an einer Quelle versammelt um dreckige Kleidung zu waschen. Kichernd spritzen sie sich gegenseitig mit Wasser nass, was angesichts der sommerlichen Temperaturen nur angenehm sein kann.
Mit offenen Mündern betreten fremde Händler staunend die Stadttore. Eine solche Stadt kennen sie aus Erzählungen, aber das sie so gewaltig ist, konnten sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen. Die Wohnhäuser und Handwerksbetriebe bilden ein regelrechtes Labyrinth. Über 8000 Menschen leben am Fuße der Burg und verdienen sich ihr täglich Brot als Zimmerleute, Schmiede, Färber, Drechsler oder Bäcker. Der Geruch von Pferden, Wildschweinbraten und Räucheröfen liegt in der Luft. An einigen Straßenecken wachsen Olivenbäume und ein Händler verkauft an seinem Stand Muscheln. Ein anderer bietet Schmuck aus Bronze und Silber an, und er zeigt den Menschen dann noch ein merkwürdiges hartes und sprödes Metall, dass er auf seinen Handelsreisen entdeckt hat. Noch weiß keiner so recht, ob man es nutzen kann. Weder der Händler noch die Stadtbewohner ahnen, dass dieses hässliche Stück Metall Eisen ist, das in einigen Jahrhunderten das Leben der Menschen nachhaltig verändern wird.
Die Burganlage auf dem erhöhten Zentrum der Stadt ist von einer noch gewaltigeren Mauer umgeben, die fast 5 Meter breit und über 12 Meter hoch ist, und deren oberes Ende mit Zinnen abschließt, die an Sägezähne erinnern. Oben auf dem Wehrgang patrouillieren ungerüstete Soldaten und beobachten aufmerksam die Stadt und die Ebene. Zwei mächtige Türme erheben sich wie Wächter am Ost- und am Südtor und werfen ihr großen Schatten über die Stadt. Es gibt insgesamt vier gutbewachte Tore. Am Rande des größten der vier Tore steht eine alte Eiche, in der sich nach dem Glauben der Stadtbewohner oft Götter in Vogelgestalt niederlassen.
Die gepflasterte Straße führt in die Burganlage, die eigentlich ein ganzes Stadtviertel für sich darstellt. Auf flachen Terrassen stehen gewaltige Paläste mit mehreren Stockwerken und auf der obersten Anhöhe ein großer Tempel, der Athene gewidmet ist, der Schutzgöttin der Stadt. Dort kommen die Menschen hin, um die Göttin um ihre Gunst zu bitten. Sie bringen Geschenke, die sie am Altar niederlegen.
Alle Gebäude werden durch außerordentlich breite Straßen getrennt. Der größte Palast hat über 50 Räume und gehört dem Fürsten Priamos und seiner Familie. Zwei weitere Paläste in Reichweite werden von seinen Lieblingssöhnen Hektor und Paris bewohnt. In der Hitze des Mittags haben sich Bewohner der Prunkbauten in den Schatten zurückgezogen. Die Kinder der Königsfamilie, die sonst vor Energie überschäumen, sind schläfrig von der Hitze. Während ihre Mütter spinnen und feine Stoffe weben, gönnen sie sich einen Mittagsschlaf.
Als die Sonne tiefer sinkt, kommt Leben in den Palast. Ein fahrender Sänger ist angekommen und alle sind begierig darauf, neue Lieder und Geschichten aus der Welt zu hören. Langsam geht die Sonne unter und als das Tagwerk getan ist, kommen auch die Männer zusammen. Auch die Großmütter und Großväter wissen immer Geschichten zu erzählen. Doch die Barden kennen die großen und kunstvollen Epen, die Geschichten von Göttern und Helden und dem unveränderlichen Lauf des Schicksals. So manchen dieser Helden, so wissen die Menschen, die gefesselt lauschen, können sie unter ihre Ahnen zählen.
Als Apollos Sonne schon lange im westlichen Meer versunken, gehen die Menschen im Palast zur Ruhe. Die mächtigen Mauern der Stadt stehen fest und stark, Stadtbewohner und Reisende fühlen sich sicher in ihrem Schutz. Schon lange hatte es keiner mehr gewagt, sich mit Trojas Stärke anzulegen. Die Göttin Athene und Apollo wachten über sie, dessen sind sich die Menschen gewiss.

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