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Mit einem Epos über den Trojanischen Krieg
realisiert Wolfgang Petersen sein bislang größtes Projekt. Doch mit
“Endurance” wartet schon der nächste Mammut-Film auf ihn. Ende 2002
sprach Rüdiger Sturm mit Regisseur Wolfgang Petersen über die kommenden
Projekte. Das Interview wurde im Fachmagazin Blickpunkt:Film veröffentlicht.
• Statt dem ursprünglich geplanten “Batman
vs. Superman” drehen Sie nun “Troy”. Sind Sie froh darüber?
Petersen: Ehrlich gesagt ja. Das ist für mich
der aufregendste Stoff, den ich seit dem “Boot” in dem Händen
gehalten habe.
• Haben Sie das Projekt selbst entwickelt?
Petersen: Warner Bros. bot mir “Troy” an, das wir
wahrscheinlich in “The Trojan War” umbenennen; ich fand die Qualität
des Drehbuchs von David Benioff so überwältigend, dass ich sofort
zusagte.
• Ein perfektes Drehbuch – gibt es so
etwas?
Petersen: Natürlich ist das Buch noch nicht
vollkommen. Der Autor arbeitet jetzt bis Ende November meine Änderungsvorschläge
ein. Nichts wirklich Gravierendes, aber manches war noch nicht visuell
genug erzählt, anderem wie zum Beispiel der Liebesgeschichte Helena-Paris,
fehlte es etwas an Emotionalität. Diese Geschichte soll letztendlich auch
zu einer Wolfgang Petersen-Geschichte werden.
• Aber das Projekt steht?
Petersen: Es steht. Das genaue Budget wird gerade
ausgerechnet – es liegt irgendwo zwischen $ 130 und 145 Millionen. Am
14. April fangen wir an zu drehen. Der Film wird aus London heraus
produziert. Wir drehen zwei Monate in Marokko, eineinhalb Monate auf Malta
und etwa fünf Wochen in den Shepperton Studios in London.
• Sie kehren also ins europäische Umfeld
zurück?
Petersen: Das ist einer der Gründe, weshalb ich
diesen Film machen will. Weil er mir den Brückenschlag zurück nach
Europa erlaubt. Auch das Team besteht nur aus Europäern. Ich arbeite
nicht mit meinem gewohnten Team, sondern mit einer komplett englischen
Crew, vom Line Producer über den Kameramann bis hin zum Kostümdesigner.
Das ist richtig aufregend.
• Woher kommt das starke englische
Element?
Petersen: Es gibt erhebliche Steuervorteile, wenn man
einen Film mehrheitlich mit Engländern macht und mit Engländern besetzt.
Da kriegt man enorme Summen vom englischen Staat zurück. Ein so
gewaltiges Projekt wäre anders gar nicht zu finanzieren. Wir sprechen ja
von einem Film mit den Dimensionen eines “Lawrence von Arabien”.
• Wie lange soll den Ihr Film werden?
Petersen: Ich schätze so an die 165 Minuten.
• Und das Studio hat nichts dagegen?
Petersen: Im Gegenteil. Wir sind alle stolz darauf,
dass das ein epischer Film wird. Die Zusammenarbeit mit Warner Bros. ist
das reine Vergnügen. Trotz des riesigen Budgets habe ich absolut freie
Hand. Offenbar haben sie dort aufgrund des Erfolgs von “Harry Potter”
und “Herr der Ringe” eine gewisse Gelassenheit bei großen Projekten
entwickelt. Ich habe das Gefühl, Warner ist das Studio, mit dem man
derzeit solche Filme machen soll.
• Ein großer Warner-Film kommt jedoch
erstmal nicht zustande: Darren Aronofskys “The Fountain” wurde
gecancelt, weil sein Star Brad Bitt ausstieg, um bei Ihnen mitzumachen.
Petersen: Ich habe ihn aber nicht zu mir hinüber
gelockt. Er hat mir erzählt, dass er von der letzten Drehbuchfassung von
“The Fountain” nicht überzeugt war und nicht mehr an das Projekt
glaubte. Deshalb entschied er sich unter großen Schmerzen dort
auszusteigen. Erst danach habe ich ihm die Rolle des Achilles angeboten.
• Was wird denn mit “Batman vs.
Superman” passieren, den Sie ursprünglich für Warner drehen sollten?
Petersen: Ich habe einen Vertrag, dass ich entweder
Regie führe oder produziere, wenn das Projekt gemacht hat. Aber Warner
entschied sich ja, erstmal einen Superman-Film herauszubringen. Vermutlich
kommt dann noch ein Batman-Film. Und in ein paar Jahren könnten die
beiden Helden gegeneinander antreten. Das wäre dann das große
Fun-Ereignis.
• Realisieren Sie vorher noch Ihr lang
geplantes Antarktis-Epos “Endurance”?
Petersen: Das kann sehr gut sein. Gerade hat Autor
Jeff Maguire (“In the Line of Fire”), der auch die allererste Fassung
schrieb, einen letzten ‚Polish‘ abgeschlossen. Dabei trimmte er
einige Elemente herunter, so dass das Ganze kostenmäßig überschaubarer
ist. Jetzt liegt das Buch da und schaut mich an.
• An Budgetfragen wird das Ganze nicht
mehr scheitern?
Petersen: Ich glaube nicht. Es jetzt vor allem um die
Frage: Wer spielt die Hauptrolle?
• Dafür war zuletzt Russell Crowe im
Gespräch.
Petersen: Ja, aber es wachsen immer neue Stars heran.
Da gibt es Eric Bana, der mit Ang Lee “The Incredible Hulk” drehte und
der bei mir den Hektor spielt. Mit Clive Owen kommt ein neuer Star aus
England auf uns zu.
• Wann soll denn das Ganze passieren?
Petersen: Theoretisch könnte ich es nach dem
Trojanischen Krieg machen. Aber ich vermag nicht zu sagen, ob ich danach
die Nerven habe, gleich wieder so einen gewaltigen Film zu drehen.
Vielleicht brauche ich zunächst so etwas wie “Mein Dinner mit André”:
zwei Leute in einem Lokal und nichts weiter. Doch wenn ich mich zwei
Wochen erholt habe – wer weiß?
Vielen Dank an Rüdiger Sturm für die Einsendung des Interviews!!
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