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Die Schauspielerin Diane Lane (DER STURM) erzählt einmal in einem Interview, dass Wolfgang Petersen die Begabung habe, dem großen epischen Kino die kleinen Momente der Wahrheit zu entlocken. Wahrscheinlich hat genau dieses Talent die Produktionsfirma Warner Bros. dazu bewogen, dem deutschen Regisseur über 150 Millionen Dollar in die Hand zu drücken, um die größte Saga aller Zeiten zu verfilmen.
Wolfgang Petersen wurde am 14. März 1941 in Emden geboren und besuchte ein humanistisches Gymnasium in Hamburg. Er wuchs in der tristen Nachkriegszeit auf und war begeistert vom prächtigen amerikanischen Kino, das ihm eine völlig andere Welt offenbarte.
Vor allem die Thriller von Hitchcock hatten es ihm angetan. Schon früh hegte er den Wunsch Schauspieler zu werden. Dass er einmal Regie führen würde zog er damals noch nicht in Betracht. Während des Griechischunterrichts hatte er das erste Mal Kontakt mit der homerischen Ilias, dem Urtext des trojanischen Krieges, war damals aber eher vom Unterricht frustriert, als dass er sich für das Werk hätte begeistern können. Nach seinem Abitur im Jahr 1960 nahm er Schauspielunterricht und kam so an das Junge Theater in Hamburg. Dort wurde er durch Zufall als Regieassistent eingesetzt und inszenierte schon zwei Jahre später sein erstes Stück. Die Jahre darauf studierte er in Hamburg und Berlin Theaterwissenschaften. Da ihn dieses Studium aber nicht befriedigte, bewarb er sich 1966 bei der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Dort produzierte er erste Kurzfilme und schließlich seinen Abschlussfilm „Ich werde dich töten, Wolf“ (1971). Von da an war Petersen ein vielbeschäftigter Mann. Er drehte ein Fernsehfilm nach dem anderen und so manche seiner Tatort-Folgen ist heute legendär.
Als Petersen im Jahr 1981 eine deutsche U-Boot-Besatzung die Hölle durchleben ließ, wurde man in Hollywood auf ihn aufmerksam. Seine Verfilmung von DAS BOOT wurde gleich für sechs Oscars nominiert und ist heute noch einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Filme im Ausland. Die Geschichte der U-96 faszinierte das Kinopublikum und Hollywood rief nach dem deutschen Regisseur.
Doch Petersen blieb zunächst in Deutschland und verfilmte in den Münchner Bavaria-Studios DIE UNENDLICHE GESCHICHTE nach dem Roman von Michael Ende. Bis auf den Autor waren alle begeistert von dem Fantasy-Märchen und Petersen wurde übermütig. Kaum war das Phantasien-Set in den Bavaria-Studios abgerissen, ließ Petersen die Kulissen für den Science-Fiction-Film ENEMY MINE – GELIEBTER FEIND errichten. Doch der Film mit Dennis Quaid und Louis Gossit jr. floppte an den Kinokassen. Wolfgang Petersen zog nach Los Angeles und drehte 1991 seinen langersehnten eigenen Hitchcock-Thriller mit dem Titel TOD IM SPIEGEL mit Tom Berenger und einer sexy Greta Scacchi in den Hauptrollen. Bis zur letzten Sekunde des Films fesselte Petersen das Publikum an die Kinositze und der ENEMY MINE-Flop war schnell vergessen.
Mit dem Action-Thriller IN THE LINE OF FIRE - DIE ZWEITE CHANCE stieg er schließlich in die Liga der Top-Regisseure auf. Der Film mit Clint Eastwood in der Hauptrolle wurde gleich drei Mal für den Oscar nominiert und bescherte Petersen von da an die ganz großen Budgets.
Sein erschreckend realistischer Virenthriller OUTBREAK - LAUTLOSE KILLER weckte die Urängste des Publikums und sollte sein bis dahin erfolgreichster Film werden. Anscheinend hatte Petersen endlich das Rezept für den kassensicheren Blockbuster gefunden. In AIR FORCE ONE ließ er den amerikanischen Präsidenten (Harrison Ford) gegen Terroristen antreten und in DER STURM werden George Clooney und Mark Wahlberg von einem Orkan auf hoher See durchgeschüttelt.
Petersen war nie ein Regisseur der bescheidenen Bilder, verlor aber auch niemals die Geschichte aus den Augen. Seine epischen, weltbewegenden Szenarien dienten oft dem Zweck, die Beziehungen zwischen allzu menschlichen Charakteren zu schildern. Und genau darum geht es auch in der Verfilmung des trojanischen Krieges. Vor dem Hintergrund der gewaltigsten Schlacht der griechischen Sagenwelt erzählt Petersen von den Menschen, die in diesen Krieg verwickelt sind. Da geht es nicht um Kriegstechniken oder Waffenkunst, sondern um Liebe, Hass und Eifersucht. Dass er als Europäer ausgesucht wurde, um bei TROJA die Regie zu übernehmen sieht Petersen als einen Vorteil. Die Amerikaner hätten keine wirkliche Beziehung zu diesem Stoff, äußerte er in eine Interview. Er musste sich als Jugendlicher mit den griechischen Texten der Ilias abkämpfen, jetzt kann er der alten Legende seinen eigenen Stempel aufdrücken. Und vielleicht werden die kommenden Schüler-Generationen seinen Film im Griechischunterricht anschauen.
(© Stefan Servos)
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